Wenn das Baby in den OP kommt. Mein kleiner und seine Hüftdysplasie

Inzwischen ist unser kleiner 13 Monate alt und steht kurz vor seiner ersten Kontrolle. Er hatte (oder hat?) eine beidseitige Dysplasie, eine Seite war sogar luxiert. 

Schon nach der Diagnose schrieb ich einiges dazu auf. Uns hatte es gleich schwer getroffen. Wir gingen ins Krankenhaus mit dem Glauben das alles gut ist und kamen mit dem Behandlungsvorschlag Fettweisgips für sechs Wochen raus. 

Mein Mann wehrte sich gegen diese Diagnose. Das unser bis dato sieben Monate altes Baby ins Krankenhaus musste, wollte er nicht akzeptieren. So ein Gips wird unter Vollnarkose angelegt. Dazu sollte er noch ein Kontrastmittel gespritzt bekommen für ein MRT. Mein Mann wollte eine zweite Meinung und wir suchten auch ein weiteres Krankenhaus auf. 

Während mein Mann eher emotional darauf reagierte, bin ich ein rationaler Typ. Ich informierte mich und suchte nach Gleichgesinnten. Der Anblick von Babys die vom Bauchnabel bis zu den Knöcheln eingegipst waren, brachte mich zum weinen. Unser kleiner konnte krabbeln und fing gerade an zu stehen. Er ist ein fröhliches und aktives Kind. Ich konnte mir nicht vorstellen ihm diese Freiheit zu nehmen. 

Auch das zweite Krankenhaus sagte das selbe. Mein Mann und ich stritten uns. Er wehrte sich vollständig dagegen und ich wollte es bloß hinter mich bringen. Es vergingen einige Tage voller Vorwürfe und Zweifel. 

Bei einer Vollnarkose hört der Mensch auf zu atmen

Der Termin stand und wir gingen hin. Er bekam einen Saft der ihn ziemlich düdelig machte und ich zog ihm ein winzig kleinen OP Kittel mit Elefanten drauf an. Sogar ein Haarnetz in Mini bekam er. Dann wurde er in einem Gitterbett durch die Flure geschoben und wir begleiteten ihn bis vor dem OP. Ein fremde Mann in OP Kleidung kam heraus um ihn abzuholen. Er schrie nicht so wie es bei fremden üblich war. Er guckte uns nur ein wenig verwirrt an. Er gab mein hilfloses Baby und sein Leben in fremde Hände. Ich kaute penetrant unhöflich Kaugummi um nicht zu weinen. Das Gefühl dabei ist kaum zu beschreiben. 

Nach drei Stunden waren wir wieder vereint im aufwachraum. Es war überraschend. Er wachte auf als wäre nichts gewesen. Auch die sechs Wochen mit dem Gips waren überraschend leicht. Er wiegte fiel, war schwer in der Handhabung und vor allem das Windeln wechseln war schwer aber er ließ sich nicht aufhalten. Er robbte sich samt Gips durch das Haus und zum Ende hin versuchte er sich sogar im stehen.

Der Tag an dem endlich sein Gips entfernt wurde, war einfach wunderschön. 24 Stunden ohne Gips und ohne Schienen. Endlich wieder richtig knuddeln und kuscheln. Am Tag danach kam allerdings die Fettweis-Spreißschiene. Sie war aber deutlich angenehmer in der Handhabung und unser kleiner konnte damit ganz normal krabbeln und an Möbeln entlang laufen. Diese musste er ebenfalls sechs Wochen lang tragen. Wir konnten sie aber zum Umziehen und Baden abnehmen. Leider war unser kleiner zunächst ziemlich wasserscheu. Baden lief die ersten Male nur mit viel Geschrei ab. Das hat sich aber zum Glück gelegt. 


Nun kann unser kleiner laufen. Eigentlich freuen sich Eltern über diese entscheidende Entwicklung aber mit jedem Tag an dem er sicherer beim laufen wird, schwingt die Angst vor der Kontrolle mit. Sollte es jetzt nicht gut sein, wird er wohl operiert werden müssen. So genieße ich jeden Tag in vollen Zügen mit ihm und hoffe das ich ihn nie wieder in einen OP geben muss. 

4 Kommentare zu „Wenn das Baby in den OP kommt. Mein kleiner und seine Hüftdysplasie“

  1. Ich wusste nicht, dass es in einem derart frühen Alter zu einer Hüftdysplasie kommen kann. Meine Tante hatte an Hüftdysplasie für eine kurze Weile gelitten. Für sie war dies ein Albtraum, da sie speziell zugeschnittene Kleidung tragen musste, die ihren Modevorzügen leider nicht entsprach.

  2. Hallo, wie ging es denn dann weiter? War bei der Kontrolle alles in Ordnung?
    Meine Tochter ist 9 Wochen alt und hat das gleiche. Wir haben seit 4 Tagen den Gips. Ich bin nur am weinen und habe Angst, dass es am Ende nicht gut wird.

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